Jetzt ist es also soweit, nachrichten.de ist online. Aus dem Hause Burda. Die Ironie die hier vor einem liegt kann man ja kaum überbieten. Hubert Burda machte sich in den letzten Monaten in Internet-Kreisen unbeliebt indem er immer wieder auf GoogleNews eindrosch – die angebliche Konkurrenz der großen Medienhäuser, die sich mit dem aggregieren von Nachrichten Feinde macht. Dass die Klicks von GoogleNews direkt auf die einzelnen Seiten der Medienhäuser verlinken, und Google nur Snippets anbietet, das scheint er so nicht verstanden zu haben…
Nachrichten.de hat mit Sicherheit, nicht nur auf Grund der eingängigen Adresse, das Zeug dazu das neue Portal für Nachrichten zu werden. Die Aufmachung ist jedenfalls ansprechend, die Aufteilung sinnvoll und alle Standard-Funktionen sind enthalten. Man kann sich die Nachrichten der einzelnen Ressorts anschauen, und eigene Filter einrichten. Bis hierhin eigentlich das Gleiche wie GoogleNews. Doch hier verbirgt sich auch das gleiche Problem wie bei Google: Eine Gewichtung der Quellen findet nicht statt, eine Funktionalität die sinnvollerweise noch eingebaut werden sollte.
Für Intensivnutzer sieht Thomas Knüwer von “Indiskretion Ehrensache” die Sachlage etwas anders:
Es gibt Oberthemenordner mit Zeitverläufen, die anschaulich machen, wie oft Begriffe auftauchen und in welchen Zusammenhängen. Das kennen wir doch? Yep. Von Daylife, einer Beteiligung der “New York Times, die 2007 an den Start ging. Sogar die runden Bilder sind gleich. Die Technik jedoch nicht, wie Jochen Wegner mir gestern am Telefon sagte – die habe sein Haus entwickelt. (via)
Also: Zwar mal wieder keine eigene Erfindung der deutschen Medienschaffenden, aber immerhin gut kopiert. Das können wir hier ja.
Nicht unberechtigt fragt auch Netzwertig.com:
Warum ist etwas böse, wenn es Google macht, aber ein altruistischer Akt, wenn man es selbst tut? In den Informationen für Publisher klopfen sie sich selbst auf die eigene Schulter und unterstreichen den Wert eines solchen Angebots für die Publisher. (via)
Burda plant allerdings ein anderes Erlössystem: Die Urheber der veröffentlichten Snippets sollen mit bis zu 20% der Erlöse der Seite bezahlt werden. Hier wird es sich allerdings wohl eher um symbolische Beträge handeln. Ausser nachrichten.de wird über Nacht zum Kassenschlager mit Millionen von Klicks.
Für mich persönlich erscheint das jedoch eher unwahrscheinlich. Zum Einen, weil GoogleNews schon recht etabliert ist und mit der automatischen Integration bei Google Suche nach Nachrichten und die Meldung selbst sehr sinnvoll und nutzerfreundlich direkt verbindet. Aber eine Bewertung der Quellen bieten beide Angebote (noch) nicht an. Ganz im Gegensatz zu Rivva, dem Newsaggregator meiner Wahl. Hier werden die Nachrichten auf Grund ihrer Verlinkung gewichtet. Je mehr Links auf einen Beitrag weisen, desto wichtiger. Zusätzlich werden Blogs mit integriert. Wenn ich genaueres über ein Thema wissen möchte wird gegoogelt – und ja, dann land ich auch mal automatisch auf GoogleNews.
Im Großen und Ganzen ist nachrichten.de zwar eine schöne neue Nachrichten-Seite, aber bis jetzt nur ein schöner Versuch. Man muss wohl abwarten, wie sich die Seite weiterentwickelt.
One Response to Burda, GoogleNews und Nachrichten.de
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